Erste SMS der Welt wird versteigert

Auf der Suche nach verlorenem Eigentum

21. Dezember 2021, 7:42 Uhr | dpa/Martin Fryba

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Eine Minute Zeit verkauft

„Digitale Kontrolle über das Eigentum verloren“
Der Blockchain-Experte Toni Caradonna sieht die NFTs als Teil einer neuen Welle der Digitalisierung. In der ersten Welle in den 90ern hätten Emails die Kommunikation verändert und in der Welle danach seien durch die sozialen Medien Gemeinschaften neu entstanden. „Nun geht es um die Digitalisierung von Werten und Eigentum“, sagt Caradonna, der bei der Schweizer Blockchain Trust Solutions AG im Vorstand sitzt. „Durch das Copypasting der vergangenen Jahrzehnte haben wir die digitale Kontrolle über das Eigentum verloren.“ Die holt man sich mit den Non-Fungibel Tokens nun zurück. „Mit NFTs kann ich beweisen, dass etwas nur mir gehört - ich habe die Kontrolle.“

Allerdings bezieht sich ein NFT weiterhin nur auf die digitale Welt. Beispiel erster Tweet: Den hat Jack Dorsey zwar versteigert, er ist auf seiner Twitter-Seite aber weiterhin zu lesen: „just setting up my twttr“ vom 21. März 2006. Das NFT sei eine Referenz zu einem realen Objekt, erklärt Caradonna. „Es geht nicht um das Eigentum des Objekts, worauf das NFT zeigt, sondern es geht um das NFT selbst: ein digitales nicht kopierbares Unikat.“

Augenblick verweile doch! Und bist so schön!
Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management misst NFTs „einen sehr hohen ideellen Wert“ bei. Auch Sportfans würden gut angesprochen. So verkaufe der US-Basketballverband NBA einzelne Minuten von Spielen als NFTs. „Macht ein Spieler in dieser einen Minute einen Dunk, kann ich voller Stolz sagen: Das NFT zu dieser Minute gehört einzig und allein mir.“ Das tatsächlich existierende Video zu besagter Minute habe hiermit nichts zu tun, das unterliege den Copyright-Regeln.

Und wie geht es weiter mit den NFT? Professor Sandner spricht von einer derzeitigen Hype-Phase mit sehr spekulativem Charakter. Er verweist auf andere Hypes noch vor dem Internetzeitalter: Einst hätten Sammler für Briefmarken oder Panini-Fußballbildchen ebenfalls viel Geld bezahlt, die Sammel-Leidenschaft sei dann aber verflacht und heutzutage läge die Marken und Bildchen unbeachtet in Schränken rum. Auch bei NFT werde die Nachfrage irgendwann nachlassen. Im Gegensatz zu vergilbten Sammlerstücken aus Papier aber werde auch zukünftig ein gewisses Interesse an NFTs bestehen bleiben – „es wird Schwankungen geben, aber wegzudenken sind sie nicht mehr“.

„Nicht so mein Ding“
Wenn die erste SMS der Welt am Dienstag in Neuilly-sur-Seine bei Paris versteigert wird, wird sich einer ihrer Initiatoren 5.500 Kilometer entfernt befinden: Der Programmierer Neil Papworth, der 1992 besagte Kurznachricht in England von einem Computer aus an ein Handy eines Vodafone-Kollegen verschickte, lebt inzwischen in Montreal. Was hält der heute 51-Jährige davon, dass die SMS ein digitales Abbild bekommt? „NFTs sind nicht so mein Ding, ich habe nie eins gekauft oder verkauft“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wenn Leute sowas kaufen wollen - warum nicht?“ Dass die Auktion Geld für einen guten Zweck einbringe und den Käufer glücklich mache, sei eine gute Sache.


  1. Auf der Suche nach verlorenem Eigentum
  2. Eine Minute Zeit verkauft

Verwandte Artikel

Vodafone

Telekommunikation

Blockchain

Matchmaker+