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Hersteller und Handel am Scheideweg

Chipkrise trifft auf Smartphone-Boom

15. Juni 2021, 14:34 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Chipkrise trifft auf Smartphone-Boom
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Trotz einem furiosen Auftaktquartal rechnet Canalys in diesem Jahr nur mit 12 Prozent mehr Smartphone-Verkäufen – vor allem, weil den Herstellern langsam aber sicher die Chips ausgehen. Das wird mittelfristig auch Distribution und Handel treffen.

Nach einem hervorragenden ersten Quartal, mit 27 Prozent mehr verkauften Smartphones als im Vorjahreszeitraum, haben die Marktforscher von Canalys jetzt ihre Prognose für das Gesamtjahr vorgelegt. Damit versetzen sie der guten Stimmung direkt wieder einen gehörigen Dämpfer. Insgesamt rechnen die Analysten 2021 weltweit mit einem Absatz von rund 1,4 Milliarden Smartphones, also nur knapp 12 Prozent mehr als 2020. Auf den ersten Blick mag ein solches Wachstum im zweistelligen Bereich für den zuletzt jahrelang leicht geschrumpften Markt zwar wie ein positives Signal des Aufbruchs wirken. Allerdings wird dieser Zuwachs nur im Vergleich zum besonders schwachen Vorjahr mit einem Minus von sieben Prozent erreicht, in dem vor allem der erste Lockdown den Absatz erheblich gedrückt hatte. Vergleicht man die aktuellen Zahlen hingegen mit den Jahren vor der Pandemie, bleibt nur noch ein minimaler Zuwachs übrig.

Dabei wäre laut den Marktforschern durchaus mehr Wachstumspotenzial vorhanden, selbst in den reifen Märkten der Industrieländer, in denen die Geräte fester Teil der neuen mobilen Arbeitswelt sind. Würde da nicht ein neues Problem auf den Markt zurollen, das den Herstellern und ihrem indirekten Vertriebskanal in den nächsten Monaten noch einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben dürfte: War der Smartphone-Bereich von den Auswirkungen der Chipkrise bislang nur marginal betroffen, kommt die Knappheit nun auch hier mit ihrer vollen Wucht und bei allen an. „Es bauen sich bereits Rückstände auf. Die Industrie kämpft um Halbleiter, und jede Marke wird den Druck spüren“, konstatiert Ben Stanton, Research Manager von Canalys. Zunächst werden die Hersteller wohl versuchen, die Situation durch Verschiebung ihrer Prioritäten auf besonders lukrative Produkte und Märkte zu entschärfen. Hier trifft sie allerdings schon das erste Dilemma. Abgesehen von China schwächen sie damit ausgerechnet in den am schnellsten wachsenden Märkten wie Lateinamerika ihre eigene Marktposition, was sich nach dem Ende der Chipkrise rächen könnte.

Doch selbst solche Anpassungen der globalen Allokationen werden nicht ausreichen, ist sich Canalys sicher. Vielmehr erwarten die Channel-Experten sogar in den priorisierten Premium-Märkten wie den USA, Westeuropa und China zusätzlich deutliche Verschiebungen innerhalb der Vertriebskanäle. Um schneller auf die volatile Nachschubsituation reagieren zu können, werden den Prognosen der Marktforscher zufolge größere Stückzahlen in schnell aktivierbare Kanäle wie zu den Carriern gespeist – zu Lasten der Distribution, des Fachhandels und der freien Märkte.

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1. Chipkrise trifft auf Smartphone-Boom
2. Zahlreiche Pleiten im Vertriebskanal am Horizont
3. Rückkehr zum schrumpfenden Markt

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