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Umbruch im Smartphone-Markt

Der Channel wird zum Game-Changer

29. April 2021, 12:46 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Der Channel wird zum Game-Changer
© H_Ko - AdobeStock

Der Smartphone-Markt ist im ersten Quartal um mehr als ein Viertel gewachsen. Den größten Zuwachs verzeichnen aber nicht die Marktführer Samsung und Apple, sondern Xiaomi und Oppo, die den herben Einbruch bei Huawei sowie die Vertriebskraft des ICT-Channels geschickt für sich nutzen.

Der durch die Pandemie angefeuerte Bedarf an starken mobilen Geräten verhilft auch dem Smartphone-Markt zu einem unerwarteten Aufschwung. Im ersten Quartal 2021 wurden den Marktforschern von Canalys zufolge weltweit 347 Millionen Smartphones verkauft, satte 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings können sich darüber nicht alle Hersteller gleichermaßen freuen, da der Markt gleichzeitig von erheblichen Verwerfungen und einer Konsolidierungswelle durchgeschüttelt wird. Veränderte Anforderungen der Nutzer und Engpässe im Vertrieb sowie bei wichtigen Komponenten zwingen die Hersteller, ihre Produktstrategien und Vertriebsmodelle zu überdenken. Dass jetzt selbst das Urgestein LG jetzt das Handtuch wirft, ist für Canalys-Analyst Sanyam Chaurasia symbolisch für diese neue Ära. »Es beweist, dass aggressive Preisgestaltung und Kanalstrategie in der heutigen Zeit wichtiger sind als Hardware-Differenzierung.«

Dank einer ausgewogenen Produktpalette über alle Preis- und Leistungsklassen hinweg, konnte Samsung nach dem kurzen Apple-Intermezzo im Jahresendgeschäft seine Spitzenposition im Q1 wieder klar zurückerobern. Die Südkoreaner verkauften 28 Prozent mehr Smartphones als im Vorjahr, insgesamt 76,5 Millionen. Apple konnte zwar im ersten Quartal nur 52,4 Millionen iPhones absetzen, also knapp 30 Millionen weniger als nach dem verspäteten Launch des iPhone 12 im Q4. Im Vergleich zum Jahresanfang 2020 bedeutet das aber einen Zuwachs um 41 Prozent. Neben dem iPhone 12 war den Analysten zufolge auch der Vorgänger iPhone 11 noch sehr gefragt. Unter den Erwartungen blieb hingegen das etwas kleinere und günstigere Modell iPhone 12 Mini, auf das Apple große Hoffnungen gesetzt hatte. Das weist darauf hin, dass sich selbst die etwas preisbewussteren Apple-Nutzer eher für das iPhone 11 entscheiden, als für ein kompaktes Gerät der aktuellen Generation.

Doch während Apple sich weiter an Samsung heranschleicht, dürfte der Edel-Hersteller bei den Absatzzahlen schon bald selbst überholt werden. Denn andere, jüngere, Hersteller verstehen es noch weitaus besser, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und von den Schwierigkeiten bei Mitbewerbern wie Huawei zu profitieren. Mitten im Durchmarsch auf die Spitze trafen die US-Sanktionen den chinesischen TK-Konzern knallhart. Hatte Huawei im ersten Vierteljahr 2020 noch 49 Millionen Smartphones verkauft, brach der Absatz seither um rund 60 Prozent auf nur noch 18,6 Millionen Stück ein. Damit rutschte das Unternehmen vom zweiten auf den siebten Rang ab und spielt außerhalb des Heimatmarktes kaum mehr eine nennenswerte Rolle.

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