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Falsche Microsoft-Mitarbeiter

Enkel fallen auf Enkeltrick rein

16. Oktober 2020, 08:53 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Enkel fallen auf Enkeltrick rein
© AdobeStock/Jacob Lund

Bei Anruf Betrug. So einfach und klar ist das, wenn sich der Microsoft-Support überraschend am Telefon meldet. Überrascht ist man auch, wer gegen Tech Support Scam resistent ist und wer nicht.

Wer »Microsoft« im Suchfeld der Rubrik Blaulicht bei Presseportal eingibt, der wird schnell feststellen, dass die Geschäfte der Telefonbetrüger hervorragend blühen und keiner Konjunkturdelle unterliegen. Täglich berichten bundesweit Polizeidienststellen von falschen Microsoft-Mitarbeitern, die meist erfolgreich Banking-Trojaner auf PCs einschleusen oder die Rechner ihrer Opfer verschlüsseln, weil die sorglosen Nutzer ihnen Remote-Zugang erlauben. Ihr Handwerkszeug, eloquent und einfühlsam zu sein, beherrschen die Täter perfekt. Gelegentlich kommt es nur zu einem Betrugsversuch oder ein beherztes Eingreifen von aufmerksamen Bankangestellten verhindert schlimmeres. Letzteres zeigt auch, dass es noch viel mehr Frühwarnsysteme in Echtzeit bei Banken geben sollte, wenn auffällige Buchungen auf Missbrauch schließen lassen.


Bankensystem schlägt Alarm
So wie bei einem 63-Jährigen vom Bodensee. Der gewährte per Team-Viewer einem englischsprechenden Microsoft-Mitarbeiter Zugang zu seinem Rechner, löschte auf Verlangen das aktuelle Virenschutzprogramm, installierte ein angeblich viel besseres neues Sicherheitspaket von Microsoft und schloss den Kauf ab durch einige Überweisungen, bei denen er am anderen Ende der Leitung freundlich instruiert wurde.  Noch während des Banking-Vorgangs erhielt das Opfer auf seinem Handy den Anruf des Kundenbetreuers seiner Hausbank, der nachfragte, ob die hohen Überweisungsbeträge ihre Richtigkeit hätten. Daraufhin beendete der 63-Jährige sofort das Telefongespräch mit dem Betrüger und fuhr seinen Rechner herunter. Von über 20.000 Euro, die von seinem Konto bereits überwiesen worden waren, konnten noch 10.000 Euro wieder zurückgebucht werden.


Täglich gibt es solche Meldungen, man staunt immer wieder über die kuriosen Details und schüttelt als vermeintlich Wissender um das Schlechte dieser Digitalwelt den Kopf vor so viel Naivität der Geleimten. Die Polizeinachrichten nennen das Alter der Opfer: 60+ überwiegt, 50+ ist keine Seltenheit, 30+ eher selten. Schlussfolgerung: Die ohne Internet und Computer sozialisierten Jahrgänge sind die Leichtgläubigen, die auf Tech Support Scam am häufigsten reinfallen. Doch dem ist überhaupt nicht so.


Vor allem unter 37-Jährige sind Opfer
In der Digital Crimes Unit von Microsoft, die in einem  internationalen Team an der Bekämpfung solcher Formen von Cybercrime arbeiten, wissen sie es besser. Millennials (24-37 Jahre) und Generation Z (18-23 Jahre) gehören mehrheitlich zu den Opfern von Tech Support Scam, hat Microsoft schon vor einigen Jahren in einer Befragung festgestellt. Es sei schon »spannend«, hält sich Microsoft mit irgendeiner Wertung zurück, »dass gerade diejenigen Nutzer, die sich eigentlich gut mit digitalen Anwendungen auskennen und sich selbstbewusst und selbstverständlich im digitalen Raum bewegen, besonders häufig Opfer der Betrugsmaschen werden«.  Von den Geschädigten, die auch einen finanziellen Schaden erlitten, seinen  in Deutschland 76 Prozent  jünger als 38 Jahre.


Noch erschreckender ist das Ausmaß solcher Telefonbetrügereien. Laut Microsoft sei jeder zweite deutsche Internetnutzer von falschen Support-Mitarbeitern kontaktiert worden. Die Erfolgsrate, das sich das Opfer auf Betrug einlasse,  habe sich in wenigen Jahren auf 13 Prozent nahezu verdoppelt. Schlauer als ihre Elten oder Großeltern sind die vermeintlich souverän durchs Netz navigierenden Kinder und Enkel also nicht.


Ist der finanzielle Verlust teils erheblich, so ist der emotionale Schaden, den betrogene Opfer erleiden, oft noch höher. 80 Prozent der Deutschen, die sich auf die Betrüger einließen, haben laut Microsoft angegeben, dass sie der Betrug emotional stark belastet habe und Formen von Stress auslöste.

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