Streit um Voice over IP über Mobilfunknetze

Europäische Kommission soll Skype-Verbot für iPhone aufheben

6. April 2009, 16:44 Uhr | Bernd Reder | Kommentar(e)
Rotes Tuch für Mobilfunk-Service-Provider: T-Mobile und Co. wollen Voice-over-IP-Gespräche über ihre Mobilfunknetze und Wireless LANs unterbinden.

Der Messaging-Service-Anbieter Skype will mithilfe der Europäischen Kommission erreichen, dass Besitzer eines iPhone in Deutschland den Voice-over-IP-Dienst des Unternehmens nutzen können. T-Mobile hat das strikt untersagt.

Der Skype-Client ist kostenlosüber Apples App-Store erhältlich.
Der Skype-Client ist kostenlosüber Apples App-Store erhältlich.

Zwischen Skype und dem Mobilfunk-Service-Provider T-Mobile ist ein lebhaftes Scharmützel ausgebrochen. Wie berichtet, hat Skype einen Voice-over-IP-Client entwickelt, mit dem Nutzer eines iPhone über IP-Verbindungen telefonieren können.

Der Client kann über Apples App-Store kostenlos heruntergeladen werden. Er ermöglicht derzeit allerdings nur VoIP-Gespräche von Wireless LANs aus, nicht über das Mobilfunknetz.

T-Mobile, der Exklusiv-Vermarkter des iPhone in Deutschland, hat seinen Kunden untersagt, die Software einzusetzen. Auch Telefonate über das WLAN-Hotspot-Netz von T-Mobile seien unzulässig. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Kündigung seines Mobilfunkvertrages durch den Service-Provider rechnen.

Beschwerde bei EU-Kommission

Das will sich Skype nicht gefallen lassen. Mit Rückendeckung der Herstellervereinigung Voice on the Net Coalition (VON) hat das Unternehmen jetzt die EU-Kommission in Brüssel gebeten, das aus seiner Sicht wettbewerbswidrige Verhalten von T-Mobile zu untersuchen.

Der VON gehören unter anderem Cisco, Google, Microsoft und Intel an, pikanter Weise in den USA auch T-Mobile. Die Vereinigung will Voice-over-IP über öffentliche Telekommunikationsnetze fördern.

T-Mobile und andere Mobilfunk-Service-Provider argumentieren, dass durch VoIP- und Peer-to-Peer-Dienste ihre Netze über Gebühr beansprucht würden. Daher sperren die Carrier solche Services.

Auch amerikanische Mobilfunkfirmen machen Druck

Einen weiteren Aspekt bringt AT&T, Apples Partner in den USA, ins Spiel: Skype mit seinem VoIP-Service sei ein Konkurrent, so wie T-Mobile oder Verizon. Daher sehe man keinerlei Veranlassung, dem Unternehmen den Zugang zum eigenen Mobilfunknetz zu gewähren.

Allerdings hat sich nun auch in den USA mit Free Press eine Verbraucherschutzorganisation zu Wort gemeldet, die gegen eine Behinderung von VoIP-Telefonaten über Mobilfunknetze vorgeht. Free Press hat der Federal Communications Commission (FCC), dem Pendant zur Bundesnetzagentur, Beschwerde gegen Restriktionen durch Mobilfunkfirmen eingelegt.

Die Vereinigung will erreichen, dass die FCC eine Entscheidung trifft, ob VoIP, Peer-to-Peer-Filetransfers oder das Übertragen von Video-Dateien über Mobilfunknetze zulässig sind.

Skype wiederum argumentiert, dass ein VoIP-Gespräch bestenfalls 8 bis 20 kBit/s Bandbreite benötigt. Das sei für die Mobilfunkfirmen zu verschmerzen und stelle für deren Infrastruktur kein Problem dar. Da die Mühlen in Brüssel bekanntlich sehr langsam mahlen, wird es mehrere Monate dauern, bis die die EU-Kommission zu einer Entscheidung kommt.

Apple sagt nichts

Und Apple, das mit dem iPhone den Stein des Anstoßes lieferte? Der Hersteller hält sich aus der Debatte heraus – aus nachvollziehbaren Gründen. Auf der einen Seite müsste Apple daran gelegen sein, dass iPhone-Besitzer auch »voipen« können. Das würde die Absatzzahlen des Smartphones weiter erhöhen.

Andererseits kann es sich das Unternehmen nicht leisten, T-Mobile, AT&T und Co. zu verprellen. Schließlich hat Apple mit diesen Firmen lukrative Exklusiverträge geschlossen, was den Vertrieb des iPhone betrifft. Daher hat sich die Firma in dieser Frage erst einmal Funkstille verordnet.


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