Reseller- und Retail-Geschäft rückläufig

Komsa-Chef beklagt Gewinneinbruch

21. September 2022, 14:26 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Komsa
Komsa-Chef Pierre-Pascal Urbon unter Druck.
© Komsa

Sparen bei Sach- und Personalkosten sowie bei der Bevorratung, Investitionsstopp, hoher Krankenstand, gesunkene Produktivität: Komsa hat den Schwung des abgelaufenen Rekordjahres nicht in das erste Quartal (April bis Juni) mitnehmen können. CEO Pierre-Pascal Urbon will mit Maßnahmen gegensteuern.

Gegenüber der Belegschaft sprach CEO Pierre-Pascal Urbon vom einem „Weckruf“. Die mehr als halbierte Profitablität, die Finanzierung des Warenbestands und rückläufige Erlöse im Geschäft mit Resellern und Ladenbesitzern würden ihm Sorgen bereiten, berichten mehrere Mitarbeiter vom internen Call Urbons. Der Chef beklagte zudem eine gesunkene Produktivität, die er mit einem zu hohen Krankenstand "im Vergleich zu anderen Unternehmen" begründet. Er kündigte Maßnahmen an, die sowohl Mitarbeiter als auch die Hersteller Komsas betreffen.

Zwar sei laut Pierre-Pascal Urbon die Gesamtleistung im ersten Komsa-Geschäftsquartal zum Ende Juni 2022 um sieben Prozent gestiegen. Getragen werde das Wachstum lediglich von Etail-Kunden. Das Reseller- und Retail-Geschäft sei dagegen rückläufig. Die Ursache für den Gewinneinbruch laut Urbon: Höhere Personal- und Sachkosten. Nun würden nicht alle offenen Stellen besetzt, nicht alle ausscheidenden Mitarbeiter ersetzt, keine Komsa-Events mehr in externen Lokalitäten, keine Team-Besuche mehr von Messen und Herstersteller-Veranstaltungen.

Die Entwicklung des Komsa-Shops würde eingestellt, interne IT-Projekte überprüft, keine externen Berater mehr beschäftigt. Zudem wolle man sich auf „Erhaltungsinvestitionen“ konzentrieren, Bauprojekte in der Logistik allerdings wie geplant realisieren.  „Wenn die Sicht schlecht ist, runter vom Gas“, zitieren Komsa-Mitarbeiter ihren Chef.

Urbon beklagte auch, dass viele Hersteller die Finanzierungskonditionen und Zahlungebedingungen insofern angepasst hätten, dass Komsas Network Capital nicht mehr reiche, um die  Vorratsdauer zu finanzieren. Komsa müsse bei der Finanzierung einspringen, habe auch die finanzielle Stabilität dazu. „Das ist aber nicht das, was wir uns vorstellen“, sagte Urbon. „Wir müssen hier in die Lagersteuerung“.

Inwieweit der Spar- und Konsolidierungskurs neue Geschäftsfelder gefährdet, die Komsa durch eine 100-Millionen-Euro-Unternehmensanleihe Anfang diesen Jahres erschließen wollte (ICT CHANNEL berichtete), ist nicht bekannt. Komsa reagierte auf mehrmalige Nachfrage von ICT CHANNEL nicht.


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