Mobilfunkmarkt: Kooperieren oder untergehen

Mobilfunkgespräche: Marge sinkt auf Null

24. Juni 2009, 17:20 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Die Margen gehen im Mobilfunkbereichweiter nach unten. Ein Ausweg: das gemeinsame Nutzen der Mobilfunk-Infratruktur durch mehrere Carrier.(Bild: Vodafone Deutschland)

TK-Resellern geht es heute schon richtig schlecht. Doch was passiert erst in zwei Jahren, wenn Carrier kein Geld mehr für die Mobilfunkminute verdienen? Der Preisverfall sorgt dafür, dass aus Wettbewerbern Partner werden.

Am Ende der Preisspirale bei Mobilfunkgesprächen steht die Marge der Carrier bei Null. Auf diese Situation bewegen sich die europäischen Mobilfunkunternehmen zu, die derzeit an der durchschnittlichen Gesprächsminute noch 16 Prozent verdienen.

Bis Ende 2011 werde die Mobilfunkminute genau den technischen Einstellkosten entsprechen, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney. Bereits ein Jahr später müssten die Mobilfunkunternehmen theoretisch 7 Prozent bei jeder Gesprächsminute drauflegen. Mobiltelefonieren wäre als eine teure Angelegenheit, nicht für die Kunden sondern für Carrier.

Dass die Anbieter bislang ihre Preise senken konnten, liegt daran, dass sie bei der Netzzugangstechnik bislang Einsparpotenziale erzielen konnten.

»In vielen Fällen sind nun allerdings diese klassischen Methoden der Prozessverbesserung ausgereizt«, sagt A.T.-Kearney-Berater Hagen Götz Hasenteufel. Wenn die Anbieter nicht vom Markt verschwinden wollen, müssten sie dringend neue strukturelle Ansätze finden, um weiterhin ihre Effizienz zu steigern und auch über 2011 hinaus noch Geld zu verdienen.

Schulterschluss nötig

Ein Ansatz hierzu wäre laut Hasenteufel der Schulterschluss konkurrierender Unternehmen bei der Netztechnik, das so genannte »Netwok Sharing«, wie es viele Mobilfunkunternehmen in Schweden, Spanien und Großbritannien bereits vormachen. Dort werden die vorhandene Sende- und Empfangsinfrastrukturen bereits miteinander geteilt oder gemeinsam neue ausgebaut.

Die Umfrage von A.T. Kearney unter 100 europäischen Mobilfunkunternehmen ergab, dass sich mit der gemeinsamen Nutzung der Netze bis zu 59 Prozent der Gesamtkosten für den Netzzugang sparen ließen. Den größten Kosteneffekt erzielen die Unternehmen, wenn sie physische Sendeplätze gemeinsam anmieten.

Allerdings befassen sich erst 15 Prozent der Firmen mit solchen Kooperationsmodellen. Auch dann könne über das Jahr 2011 das Geschäft mit Mobilgesprächen weiter profitabel betrieben werden, sagt Hasenteufel.

Umdenken notwendig

Warum allerdings der Kooperationsgedanke noch nicht alle Telekommunikationsfirmen erreicht hat, hängt mit der Differenzierung zusammen. Noch gilt die Auffassung, dass ein Mobilgespräch kein homogenes Gut ist, also austauschbar wie Benzin oder Zement.

Carrier differenzieren sich über Netzabdeckung und Sendeleistung und streichen in ihren Marketingbemühen heraus, dass sie in dieser Beziehung besser sind als der Wettbewerb.

Doch stellt A.T. Kearney fest, dass dieses Argument immer weniger zählt, um beispielsweise Premium-Preise durchzusetzen. In reifen Mobilfunkmärkten bewege sich die Netzqualität »auf einem hohen und oft sehr ähnlichem Niveau«, meint Hasenteufel. Gute Aussichten also, dass sich Kooperationsmodelle doch durchsetzen werden, durchsetzen müssen.

Viel Zeit allerdings sollten etablierte oder auch neue Carrier allerdings nicht verstreichen lassen, um Partner für gemeinsame Netztechnik zu finden. Denn wer sich erst spät entscheidet, einem Network Sharing beizutreten und technische Vorteile zu nutzen, müsse Prämien zahlen – und befinde sich dann womöglich wieder bei der Null-Marge.


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