TK-Distributor Komsa AG

Neustart mit toxischen Nebenwirkungen

10. Februar 2022, 13:04 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Komsa
© Komsa

Mit einem Paukenschlag trat Pierre-Pascal Urbon als CEO bei Komsa im Mai 2020 an. Es folgten im Verlauf einer Neuausrichtung weiter Paukenschläge. Urbon erbte Probleme, die er im Rekordtempo anging. Einen grundlegenden Konflikt indes kann er nicht lösen.

Pierre-Pascal Urbon zog schon nach dem ersten Geschäftsjahr in seiner neuen Funktion als CEO von Komsa eine erste positive Bilanz zum Ende des Geschäftsjahrs 2020/21. Hinter ihm lagen aufreibende Monate einer Restrukturierung unter erschwerten Voraussetzungen im Lockdown. Doch die Pandemie spielte dem seit Mai 2020 amtierenden Komsa-Chef auch in die Karten. Wie die meisten Handelsunternehmen aus der ITK-Branche verbuchte auch Komsa dank rasanter Nachfrage nach ITK-Hard- und Software Sondereffekte auf der Habenseite. Mit einem Plus von 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro meldete der TK-Distributor einen „Rekordumsatz“. Alles in Lot? Keinesfalls.

Ausgefahrene Ellenbogen
Strukturelle Defizite vor der Pandemie, auch das zeigt die Corona-Krise überdeutlich, haben sich nicht einfach aufgelöst. Konfliktpotenziale gibt es bei jedem Unternehmen, je größer es ist, desto häufiger und schwerer zu lösen können sie sein. Urbon kennt sie aus der Solarbranche bestens, die betriebswirtschaftlichen, marktstrategischen, konzernstrukturellen Konflikte und nicht zuletzt Befindlichkeiten und Eitelkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander an der Führungsspitze und im darunterliegenden Management. Er war lange Jahre beim Wechselrichterhersteller SMA, zuletzt als CEO.  Es gibt sie auch bei Komsa.

Er hat so manche Konflikte mit der Schlüsselübergabe geerbt. Das ging auch seinem Vorgänger Uwe Bauer so. Letzterer konnte sie nicht lösen. Der neue Komsa-Chef versucht sich an ihnen seit knapp zwei Jahre. Dazu später mehr. Der TK-Distributor wird neu ausgerichtet, erneut, nur dieses Mal deutlich lauter und, so sagen es viele mit Komsa vertraute Personen, mit ausgefahrenen Ellenbogen, seit Urbon viele Führungspositionen hatte neu ausschreiben lassen und ein 30-köpfiges Transformationsteam über eine neue Komsa hatte nachdenken lassen.

Bekannte Baustellen
Ein Blick auf die Bilanzen vor Urbons Zeit. Geschäftsjahr 2017/18: Die Komsa AG ist im 25. Jahr seit ihrer Gründung 1992 in mehr als 20 Einzelgesellschaften mit teils unzusammenhängenden Aktivitäten zersplittert. Mit circa 1.800 Beschäftigten erzielte man einen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro, der Überschuss brach von über zehn Millionen Euro im Vorjahr auf gerade einmal knapp über 2,4 Millionen Euro ein. Man ist, bis heute übrigens, auf den deutschen Markt fixiert. Nicht in Österreich, nicht in Schweiz, sondern in Polen hat Komsa  die einzige  nennenswerte Auslandsgesellschaft, deren Köpfe Urbon erst kürzlich ausgetauscht hat.


  1. Neustart mit toxischen Nebenwirkungen
  2. Tischtuch zwischen Gründern zerschnitten
  3. Kein Amt, aber immer noch Macht

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