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Trump sät Chaos in der ITK-Welt

20. Mai 2019, 15:29 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Den ich rief, den Notstand, werd ich nun nicht los…

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Aber auch rein wirtschaftlich wird die Hexenjagd nicht den erwünschten ungetrübten Erfolg bringen, die amerikanische Wirtschaft zu stärken. Alleine schon, weil chinesische Konzerne im Technologiebereich zu den größten Kunden von US-Unternehmen wie den Chipproduzenten Intel und Qualcomm gehören. Gerade die gescholtene Huawei ist hier relativ unabhängig und baut eigene SoCs auf Basis der ARM-Architektur von ARM Limited, die zur japanischen Softbank gehört und in Großbritannien sitzt. Das Lieferverbot könnte also im Endeffekt gut dazu führen, dass Huawei im Heimatmarkt und Asien gestärkt und somit zu einem noch größeren Konkurrenten aufgebaut wird. Ganz zu schweigen von einem möglichen Boykott von Firmen wie Apple und HP in China.

Gleichzeitig werden bislang aber auch in die andere Richtung viele Bauteile geliefert. Das beginnt bei einfachen elektronischen Komponenten und geht über Zubehörteile wie Ladegeräte bis hin zu Speicher sowie ganzen Baugruppen und Geräten. Trotz einiger Ausnahmen werden viele Teile für Geräte wie Smartphones, PCs und Server amerikanischer Hersteller durch die Einfuhrzölle nun zumindest deutlich teurer. In vielen Bereichen gilt das auch für vermeintlich einheimische Geräte, die nach Trumps Plänen als Austausch für unerwünschte Huawei-Hardware präferiert werden sollen.

Und auch in Europa kommt die Schockwelle an. So hat laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei etwa der deutsche Halbleiterhersteller Infineon vorsichtshalber die Lieferung von Chips an Huawei eingestellt, bis geklärt ist, inwieweit auch diese aufgrund darin enthaltener Technologie amerikanischen Ursprungs unter das Verbot fallen. Sollte sich diese Befürchtung bewahrheiten, während davon noch zahlreiche weitere europäische Technologieunternehmen betroffen.

Nicht nur im Worst-Case-Szenario könnte es also ganz schnell gehen, dass der immer weiter getriebene blinde Aktionismus mit dem vorläufigen Höhepunkt im nun proklamierten Telekommunikations-Notstand am Ende zur self-fulfilling prophecy wird, mit der nicht nur China, sondern auch die USA selbst und der Rest der Welt schwer zu kämpfen haben. Der Zauberlehrling lässt grüßen.

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